Donnerstag, den 28 Juni fand sich eine muntere
Reisegruppe aus allen Landesteilen der Schweiz am Flughafen
Kloten ein, das Gemeinsame: Alle an Physik interessiert. Fünf
Wettstreiter, vier Deutschschweizer und ein Romand, sowie zwei
Leiter. Fast alle waren mit unserer "Uniform" gekleidet, die
uns einen richtigen professionellen Touch gab. Unser Ziel: die
Internationale Physikolympiade IPhO 2001, Antalya in der Türkei.
Ich hatte keine Ahnung, wo das sein könnte, doch ich sollte
es herausfinden. Es liegt in der Südtürkei, acht Fahrstunden
südlich von Ankara. Mit uns reiste auch das Team aus Liechtenstein,
das dieses Jahr sehr gross war, drei Wettstreiter!
Nach einem langen Flug via Istanbul schliesslich in Antalya
angekommen, konnten wir ohne Probleme die Passkontrolle durchschreiten.
Empfangen wurden wir sehr freundlich und kamen das erste Mal
in Kontakt mit orientalischer Organisation und Effizienz, dennoch
erreichten wir mit etwas Geduld unser Hotel. Hier wurden die
Leiter von uns getrennt und in ein anderes Hotel verfrachtet,
da sie den Prüfungstext der originalen englischen Version in
eine uns verständliche deutsche Fassung bringen mussten und
daher war jeder Kontakt zwischen Leitern und Wettstreitern verboten.
Doch konnte ich nicht darüber trauern, da wir nun von unserer
"Guide" empfangen wurden. Jedes Land bekam einen Student oder
eine Studentin aus der Türkei, wir hatten eine Studentin, die
sich während der ganzen Woche um uns kümmerte. Unsere Guide
verstand überhaupt nichts von Physik, doch war ihr Englisch
weit über dem Meinem und zudem schaute sie sehr gut zu uns während
der ganzen Woche.
Das Hotel war sehr luxuriös, fünf Sterne, da konnten
wir uns nicht beklagen. Es war extrem gross und hatte sowohl
einen eigenen Strand als auch einen grossen Swimmingpool. Über
470 Olympioniken, Guides, Organisatoren und Besucher waren darin
untergebracht.
Am Freitag stand die "Opening Ceremony" auf dem Programm,
in zehn Reisecars wurden wir von unserem Hotel in dasjenige
unserer Leiter gefahren. Dort bestand nun die Kunst darin, eine
riesige Menschenmenge in Teams zu gliedern und dann gestaffelt
in den Ballraum zu führen, damit wir dort die vorhergesehenen
Sitzplätze einnehmen konnten. Doch selbst dieses Problem wurde
einwandfrei gelöst, nach orientalischer Manier... Die Zeremonie
bestand hauptsächlich aus Ansprachen von Leuten mit den Titeln
Prof. und Dr., dazwischen wurde zu unserem Erstaunen und Entsetzen
von einem Ensemble Mozart und Strauss gespielt, doch fand auch
noch eine türkische Tanzgruppe Unterschlupf im Programm. Nachdem
die Olympiade eröffnet worden war, ging es wieder zurück in
unser Hotel, wo wir den ganzen Nachmittag im Pool und auf der
Rutschbahn verbrachten. Am Abend ging es ziemlich früh ins Bett,
denn am Samstag war die experimentelle Prüfung angeordnet.
Als wir den Prüfungssaal betraten, wurde mir kalt, nicht
vor Respekt oder sogar Furcht, nein, der Raum war auf 16 Grad
Celsius heruntergekühlt. Der Grund war im Experiment
zu finden: es bestand aus einem runden Gefäss mit Glyzerin darin.
Wurde dieses in Rotation versetzt, so entstand an der Oberfläche
des Glyzerins ein Paraboloid. Damit aber dies gut geht, muss
das Glyzerin sehr viskos sein, deshalb die tiefe Raumtemperatur.
Im Weiteren hatten wir einen Laser, eine Plexiglasplatte mit
Halterung, eine Wasserwaage, Millimeterpapier etc. zur Verfügung.
Erste Aufgabe war es aus der Steigung der Tangente des
Paraboloids, bzw. einer Parabel, die Erdbescheunigung g zu bestimmen,
mit Fehlerbetrachtung. Zweiter Teil: Das Glyzerin kann, wenn
es in Rotation ist, als Hohlspiegel angeschaut werden. Unsere
Aufgabe: Experimentell den Zusammenhang zwischen Brennweite
und der Winkelgeschwindigkeit des Gefässes zu finden. Um die
verschiedenen Reflexionen des Lasers besser zu erkennen, wurde
der Raum verdunkelt, doch da bekam ein umweltbewusster Schweizer
Probleme mit seinem Solartaschenrechner, doch sogar dieses Problem
wurde gelöst, er bekam eine Leselampe auf seinen Tisch. Zum
Schluss musste noch der Brechungsindex von Glyzerin bestimmt
werden mit Hilfe eines Gitters, der wohl einfachste Teil der
Prüfung. Nach diesen fünf Stunden Experimentieren war ich ganz
schön schlapp, da war ich froh, dass die theoretische Prüfung
erst am Montag stand fand.
Am Sonntag war eine Exkursion ins Stadtzentrum von Antalya
auf dem Programm, der Rest des Tages war "Sünnele" im Liegestuhl.

Die theoretische Prüfung war sehr interessant, was immer
das heissen will. Jedes Gebiet der Physik, das ich kenne, wurde
geprüft, nein, es wurden mehr Gebiete geprüft als ich kenne,
doch habe ich mich durch die fünf Stunden durchgekämpft.
Die folgenden Tage waren da schon eher nach meinem Geschmack:
Um halb vier am Morgen ins Bett und um acht beim Frühstück.
Das Schweizer Team bekam den Übernamen: The Dancing Team. Wir
waren jeden Abend in der Disco und während dem Tag am
Pool. Dank unseres Schweizer Charmes waren wir immer von genügend
Guides umgeben, natürlich "She-Guides", Langeweile kam nie auf.
Doch erwähnen muss ich, dass wir auch kulturelle Ausflüge
unternommen haben, so besichtigten wir eine antike Stadt und
mehrere römische und griechische Amphitheater.
Am Donnerstag war dann "Closing-Ceremony" und Preisverteilung,
leider errangen wir weder Medaillen noch "Honorable mentions",
doch konnten wir dies gar nicht erwarten, da sich die meisten
anderen Länder sehr intensiv auf die Olympiade vorbereiten,
zum Beispiel die Australier in zwei Trainingslagern von je zwei
Monaten Dauer, wir hingegen trainierten gerade mal einen Samstag
zusammen in Aarau, der Rest war Selbststudium im kleinen Zimmerlein.
Wir waren in den Rängen um 200 herum, von gesamt 308 Teilnehmern
aus insgesamt 67 Ländern, was meiner Meinung nach ein relativ
gutes Resultat ist.
Am Donnerstagabend war dann eine grosse Abschlussfeier
auf einem Fussballfeld in unserer Hotelanlage. Ein gemeinsames
Essen, auch mit unseren Leitern, es wurde für über 550 Leute
gekocht. Anschliessend gab es Tanz zu traditioneller türkischer
und griechischer Musik, was sehr amüsant war, da wir nun unsere
türkischen Guides zum Tanz auffordern konnten. Als dann unsere
Leiter in ihr Hotel gebracht wurden, ging es erst so richtig
los...
Am Freitag war der Rückflug, wieder über Istanbul.
Alle waren ziemlich müde. Doch kam es noch zu einer interessanten
Diskussion: Weshalb fliegt ein Flugzeug? Ich dachte, ich wüsste
weshalb, doch... Summa summarum darf ich sagen, dass sich der
ganze Aufwand gelohnt hat, es war eine tolle Erfahrung und es
hat irrsinnig Spass gemacht.
Vielen Dank an das gesamte Schweizer Leiterteam und an
alle Sponsoren, die uns dies alles ermöglicht hatten.
Kevin Schnelli